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ZiS-Studie: Generation Newsless?

"Warum lesen die Jungen eigentlich nichts mehr?"
" Warum wissen die eigentlich nicht, was sich in der Welt so tut?"
"Was interessiert die Jungen eigentlich?"

Fragen dieser Art hört man immer wieder, von Medienhäusern, Verlegern, Wissenschaftlern oder News-Junkies.

Aber stimmt es wirklich, dass "die Jungen" sich nicht mehr für das aktuelle Weltgeschehen, für politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Vorgänge in Österreich und der Welt interessieren? Oder interessieren sie sich für diese Bereiche, nutzen aber andere Informationsquellen, um diese Interessen zu befriedigen? Oder gibt es doch eine gewisse Informationsvermeidung zu beobachten?

Interessieren sie sich vielleicht für andere Themen, die nicht als „klassische“ Informationsbereiche gelten, wie zum Beispiel Innen- und Außenpolitik sowie Wirtschaft? Während es zahlreiche Studien gibt, die sich mit der quantitativen Nutzung von Medien (vor allem im Internet und im Social Web) beschäftigen, gibt es kaum Ansätze, die nach den Interessen und den Motiven für Nachrichtennutzung oder deren Verweigerung fragen.

Die ZiS-Studie "Generation Newsless?" versuchte, solche Fragen zu beantworten. Medienhäuser und Verleger benötigen mehr als rein quantitative Daten zur Mediennutzung, um ihr Angebot für die "junge Zielgruppe" an die – wohl unumstritten – veränderten Medien- und Nachrichtennutzungsmuster anzupassen. Im Zentrum der Studie stehen damit essenzielle Fragen: Wofür interessieren sich die sogenannten "Digital Natives" und wie beschaffen sie sich ihre Informationen über das aktuelle Weltgeschehen? Warum nutzen sie Nachrichten – oder auch nicht?

Die Befürchtung, dass die Generation der "Digital Natives" zu einer "Generation Newsless" abdriftet, die sich nicht informiert und Nachrichten vermeidet, scheint nicht zutreffend zu sein. Die befragten Personen nutzen Medien und Nachrichten sogar recht häufig und auf verschiedenen Kanälen.

Es zeigt sich aber, dass zwar die Nutzung hoch ist, aber nicht viele Inhalte in Erinnerung bleiben, dass die Nachrichtennutzung offensichtlich recht oberflächlich bleibt, denn das Wissen, das aus dem Nachrichtenkonsum resultiert, steht in keinem positiven Verhältnis zum Ausmaß des Nachrichtenkonsums.

Dies kann mit dem Umstand begründet werden, dass die Nachrichten vor allem zwischendurch genutzt werden, wo es auch Ablenkungen etc. gibt und die Konzentration auf die Inhalte nicht voll gegeben ist.

Ein weiterer Grund könnte darin liegen, dass Nachrichten sehr häufig auf Bildschirmen bzw. (tw. doch recht kleinen) Smartphone-Displays konsumiert werden und hier die Erinnerungsleistungen an das Gelesene üblicherweise schlechter sind als bei gedruckten Texten. Zudem gibt es die vermeintliche Sicherheit, dass man ohnehin alles im Internet nachsehen könnte. Dies trifft auf Fakten sicherlich zu, allerdings müssen diese Fakten auch eingeordnet werden können bzw. muss man zu allererst ja auch einmal wissen, was man überhaupt nachschauen soll.

Wenn die "Millenials" also keine "Generation Newsless" sind, so scheinen sie doch eine "Generation Comfort" zu sein. Wenn Nachrichten vorgelegt werden – sei es analog am Frühstückstisch, in öffentlichen Verkehrsmitteln oder in Lokalen oder digital durch Vorschläge von Facebook oder WhatsApp –, dann werden diese Nachrichten durchaus konsumiert.

Die "Generation Comfort" meidet unangenehme Inhalte und nutzt Nachrichten überwiegend zwischendurch, wenn gerade Zeit ist und nichts "Wichtigeres" zu tun ist. Die aktive Nachrichtensuche als auch die bewusste Einplanung von Zeit für Nachrichtenkonsum gerät in den Hintergrund. Sowohl die Nutzung als auch die Inhalte sollten für viele scheinbar möglichst bequem und angenehm sein.